Stadt Esens, Wattenhuus, Bensersiel
Neu- und Umbau des Wattenhuuses in Bensersiel
Neu- und Umbau Wattenhuus, Bensersiel
Im Rahmen des Umbaus und der Erweiterung des Nationalparkhauses Wattenhuus in Esens entsteht eine moderne Ausstellungs und Verkaufseinrichtung, die Architektur, Funktion und Nachhaltigkeit sensibel miteinander verbindet. Das Gebäude richtet sich an Besucherinnen und Besucher des Nationalparks und bietet eine zeitgemäße Plattform für Information, Bildung und Verkauf inmitten einer naturnahen Umgebung.
Der Neubau präsentiert sich als eingeschossiger, langgestreckter Baukörper mit klarer rechteckiger Grundform. Ergänzt wird er durch einen vorgelagerten, eigenständig ausgeführten Shopbereich. Die Ausstellungsfläche im Hauptbau ist offen gestaltet, großzügige Fensterflächen sorgen für viel Tageslicht und schaffen eine helle, einladende Atmosphäre mit direkten Blickbezügen in die Natur. Der barrierefrei gestaltete Eingangsbereich führt in die Ausstellungsräume sowie in die Verkaufszone.
Architektonisch verbindet das Gebäude natürliche Materialien mit einer klaren, zeitgemäßen Formensprache. Die überwiegend mit Holz verkleidete Fassade fügt sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein. Das Reetdach verleiht dem Gebäude einen regionaltypischen Charakter und unterstreicht zugleich den nachhaltigen Anspruch des Projekts.
Ergänzend wurde auf dem Flachdach des Neubaus ein extensiv begrüntes Gründach realisiert. Die Begrünung mit robusten, pflegearmen Sedum- und Gräserarten ist optimal auf das norddeutsche Küstenklima abgestimmt und trägt sowohl zur gestalterischen Einbindung in das Landschaftsbild als auch zu ökologischen Funktionen bei. Dazu zählen eine verbesserte Wärmedämmung, die Rückhaltung von Regenwasser sowie die Förderung des Mikroklimas durch die Reduzierung von Hitzeinseln und die Schaffung von Lebensräumen für Insekten. Die Kombination aus Reetdeckung und moderner Dachbegrünung verbindet regionale Bauweise mit zeitgemäßen ökologischen Standards.
Der Neubau wurde in Holzständerbauweise errichtet. Tragende Außen und Innenwände aus konstruktivem Holzständerwerk ermöglichen eine effiziente Lastabtragung, sehr gute Wärmedämmeigenschaften und ein nachhaltiges Gebäudekonzept. Diese Bauweise trägt zu einem angenehmen Raumklima bei und erlaubt eine wirtschaftliche sowie anpassungsfähige Grundrissgestaltung. Neben der Ausstellungsfläche befinden sich im Gebäude ein Büro sowie mehrere kompakt angeordnete Nebenräume mit getrennten WC-Anlagen, einem barrierefreien WC und weiteren Sanitärbereichen. Durch die konzentrierte Anordnung bleibt die Hauptfläche weitgehend frei und vielseitig nutzbar. Der separate Shopbereich umfasst einen Verkaufsraum, ein Lager sowie eine interne Treppe, die zu einem darüberliegenden Technik- und Lagerbereich führt.
Auch die technische Ausstattung folgt konsequent dem Anspruch an Nachhaltigkeit und Effizienz. Die Beheizung erfolgt über eine Luft Wasser Wärmepumpe, die ihre Wärme sowohl an eine Fußbodenheizung als auch an ausgewählte Vertikalheizkörper abgibt. Die Warmwasserbereitung wird dezentral über elektrische Durchlauferhitzer realisiert, wodurch kurze Leitungswege und geringe Wärmeverluste gewährleistet werden. Für innenliegende Räume ohne natürliche Lüftungsmöglichkeiten ist eine mechanische Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung vorgesehen, die einen kontinuierlichen Luftaustausch sicherstellt und einen energieeffizienten Betrieb unterstützt.
Eine besondere planerische Herausforderung stellte die Integration der Heizflächen dar. Trotz begrenzter Fußbodenaufbauhöhen wurde eine leistungsfähige Fußbodenheizung umgesetzt. Gleichzeitig erforderte die enge Abstimmung mit der Ausstellungsgestaltung eine präzise Koordination der Heizkreise, Verteiler und Heizflächen, damit sie funktional wirksam sind und sich unauffällig in das Ausstellungskonzept einfügen.
Abgerundet wird das technische Gesamtkonzept durch eine DALI gesteuerte Ausstellungsbeleuchtung. Das Lichtsystem ermöglicht eine flexible, einzeln adressierbare und energieeffiziente Steuerung der Leuchten. Unterschiedliche Lichtszenen können gezielt für verschiedene Ausstellungsbereiche oder besondere Präsentationssituationen abgerufen werden. Die Integration erfolgte in enger Abstimmung mit der Raum- und Elektroplanung, sodass technische Anforderungen und gestalterische Ansprüche optimal miteinander verbunden wurden.